Während der Regierungszeit Kaiser Josephs II. wurde Theresienstadt ab 1780 als eine Festungsanlage erbaut. Sie sollte die nordwestlichen Zugänge von Böhmen vor militärischen Angriffen der Preußen schützen. Die Stadt wurde nach Maria Theresia benannt, der Mutter von Joseph II.
Der amtliche Erlass zum Bau der Festung erfolgte am 10. Januar 1780. Zehn Monate später wurde am 10. Oktober 1780 der Grundstein bei Kavalier 4 gelegt. Das erste Gebäude, das entstand, war die „Geniekaserne“, in dem die Bauleitung untergebracht war. Sie organisierte in den folgenden Jahren den Bau der Festungsanlage und der Stadt, die streng symmetrisch angelegt ist, mit geraden Straßen, die einander im rechten Winkel schneiden. Dem Bau der neuen Stadt mussten die Dörfer Drabschitz und Deutsch Kopist weichen, sie wurden in den folgenden Monaten umgesiedelt.
Zwischen 1781 und 1785 erfolgte der Ausbau des inneren Festungswalls. In den nächsten fünf Jahren wurden die Kasernen, das Zeughaus, das Krankenhaus und das Proviantlager fertiggestellt. Am 9. Dezember 1782 erhielt Theresienstadt das Stadtrecht als „freie Königsstadt“. Der Ausbau weiterer militärischer Bestandteile des Walles erfolgte in den folgenden Jahren, Kavalier 4 wurde im Jahr 1784 fertiggestellt, der Äußere Festungswall 1786, das Bewässerungssystem der Festung 1790. Neben militärischen Gebäuden entstanden die erste Zivilhäuser 1783 am südlichen Ende der Langen Straße.
Im Juni 1790, nicht ganze zehn Jahre nach der Grundsteinlegung, wurde die Festung in Anwesenheit von General Graf Klement Pellegrini für „kriegsfähig“ erklärt. Den Kern des Festungssystems bildet seitdem die Hauptfestung mit der Stadt in der Mitte („Garnisonsstadt“) und dem vorgeschobenen „Fort B“ („Mala Pevnost“/„Kleine Festung“). Dazwischen befindet sich eine befestigte Fläche, die sich zwischen der Alten und der Neuen Eger erstreckt. Die Gesamtfläche der Verschanzung beträgt 67 ha. Dazu kommen noch einmal mehr als 158 ha als Fläche von vier künstlichen, überflutbaren Becken.
In einer Beschreibung erinnert sich ein Überlebender des KZ, wie sich Theresienstadt in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts darbot: „Die Häuserblocks sind alle von gleicher Größe, ebenso die Kasernen, und selbst die Grundrisse zeigen die gleiche Anzahl von Toren, Höfen, Rundgängen und Stiegenhäusern. Die Kasernen sind düstere alte Gebäude mit sehr primitiven sanitären Einrichtungen. Die große Mehrzahl der Wohnhäuser sind ebenfalls alte, einstöckige Bauten mit engen dunklen Hinterhöfen, ohne Gärten und Sonnenlicht.“
Tiefgreifende Folgen für die Geschichte der Stadt hatte die Besetzung der Tschechoslowakei durch Deutschland. Im Juni 1940 begannen die deutschen Besatzer damit, aus Theresienstadt ein Konzentrationslager zu machen.
In der Kleinen Festung richteten sie am 10. Juni 1940 ein Gefängnis der Gestapo ein, in dem bis 1945 etwa 32.000 tschechische Oppositionelle, Mitglieder des Widerstandes gegen die Besatzung und Kriegsgefangene eingesperrt wurden.
Ein Jahr später, im November 1941, entstand in der Garnisonsstadt ein Sammel- und Durchgangslager für die jüdische Bevölkerung Böhmens und Mährens. Am 16. Februar 1942 wurde die städtische Gemeinde aufgelöst, die einheimische Bevölkerung musste die Stadt verlassen und in den folgenden Jahren kamen neben einheimischen Juden, Juden aus Deutschland und anderen europäischen Ländern in das von den Nationalsozialisten sogenannte „Altersghetto“. Zeitweilig diente Theresienstadt der NS-Propaganda als „Vorzeigeghetto“, um die internationale Öffentlichkeit über die mit der „Endlösung der Judenfrage“ verbundenen Ziele zu täuschen.
Am 5. Mai 1945 zog die SS aus Theresienstadt ab. Drei Tage später befreite die Rote Armee die Gefangenen. Mehr als 140.000 Häftlinge lebten bis zum Mai 1945 im Theresienstädter Lager. 38.000 von ihnen starben dort, fast 90.000 wurden in Vernichtungslager in Osteuropa weitertransportiert.
1947 wurde die „Gedenkstätte des Völkerleids“ – heute „Gedenkstätte Theresienstadt“ – in der Kleinen Festung gegründet. Eine erste denkmalpflegerische Bestandsaufnahme fand allerdings erst 1967 statt. 1972 wurde der jüdische und russische Friedhof fertiggestellt, 1974 ein Gedenkplatz an der Eger errichtet.
Die Stadt, in der das Lager eingerichtet worden war, diente in der gesamten Phase der kommunistischen Herrschaft – und auch noch darüber hinaus bis 1996 – wieder als Garnisonsstadt für die Armee. Erst mit dem Ende der kommunistischen Herrschaft und mit dem Abzug der Armee konnten Pläne entwickelt werden, die eine ausschließlich zivile Nutzung Theresienstadts bededeuten. Heute nun erinnern zahlreiche Gedenkstätten auch in der Stadt selbst an die Vergangenheit des Ortes.
In den vergangenen Jahren ist der Strom der Besucher aus der ganzen Welt ständig gestiegen. Die meisten von ihnen besuchen die Kleine Festung. Kamen 2003 dorthin 194.588 Menschen, so waren es 2005 schon 248.136. In der Garnisonsstadt stieg die Zahl von 115.022 im Jahr 2003 auf 172.484 im Jahr 2005.
In der „Gedenkstätte Theresienstadt“ blieben zahlreiche Einrichtungen aus der Zeit des Nationalsozialismus erhalten und können heute in der Kleinen Festung besichtigt werden. Dazu gehört der Verwaltungshof mit Geschäftszimmern, Wachstube, dem Büro des Gefängnisvorstehers und der Kleiderkammer. Ein Tor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“ verbindet den Verwaltungshof mit Hof I. Er ist in die Blöcke A und B unterteilt, in denen sich 17 Gemeinschafts- und 20 Einzelzellen befinden. Ein Hinrichtungsplatz mit Galgen liegt vor der Festungsmauer, ebenfalls die Massengräber. Eine weitere Hinrichtungsstelle befindet sich im östlichen Teil der Kleinen Festung, im Bereich des erst 1943 angelegten Hofes IV. Zwei Gemeinschaftszellen, die zu diesem Hof gehörten, werden heute zu Ausstellungszwecken benutzt. Das gilt ebenfalls für das Gebäude, in dem die SS-Garnison untergebracht war. Besucher können darüber hinaus im Kinosaal die erhaltenen Szenen des Filmes Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet ansehen.
In einem Teil der Festungsmauer, die die Kleine Festung umschließt, ist ein separates Museum untergebracht. Darin ist die mehr als 200-jährige Geschichte Theresienstadts in Exponaten zu besichtigen.
Eine Ausstellung in einem Zellentrakt des Hofes IV erinnert an die Nutzung der Kleinen Festung als Internierungslager für Deutsche von 1945 bis 1948.
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