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Gedenkstätte Lidice (Památník Lidice)

Gedenkstätte Lidice

Die erste historische Erwähnung von Lidice kann man in der Chronik des Abtes aus Zbraslav, Petr Zitavsky, finden. In der Chronik steht es, dass die Gemeinde gegen das Jahr 1300 von einem Prager reichen Bürger Pavlík unterstützt wurde. Das älteste öffentliche Gebäude war die St. Martin – Pfarrkirche (1352). In der Zeit der hussitischen Kriege wurde sie zerstört, aber noch im 16.Jahrhundert wirkten hier die Priester der Utraquisten. Zum zweiten Mal wurde die Kirche während des Dreissigjährigen Krieges vernichtet. Eine neue Barockkirche liess in Lidice die Grossherzogin Marie Anna Toskanska erbauen. Die Kirche wurde später mehrmals umgebaut.

Zweite Weltkrieg

Der Schicksal einer kleinen Gemeinde, in der 503 Einwohner lebten, ging am 10.Juni 1942 ein paar Minuten nach Mitternacht in Erfüllung. Die Ereignisse, die sich hier an einem Sommertag abspielten, zeigt ein von den Vollziehern dieses Verbrechens gegen unschuldige Leute gedrehter Dokumentarfilm. Es ist ein Stummfilm, aber trotzdem verstehen ihn alle, ohne Unterschied der Hautfarbe und der Sprache. Dieser Film diente als Dokument Nr. 379 beim Gerichtsprozess gegen die deutschen Hauptverantwor­tlichen in Nürnberg im Jahre 1945. Es ist möglich, einige montierte Passagen des Films im Videodokument des Museums von Lidice zu sehen.

Nach dem Befehl von K. H. Frank wurden an diesem Schicksalstag 173 Männer aus Lidice im Garten von Horaks Bauernhof erschossen. Frauen und Kinder wurden in die heutige Gymnasiumsturnhalle in Kladno gebracht, wo sie jedoch alle nach drei Tagen voneinander gewaltsam getrennt wurden. Ausser den für die Eindeutschung bestimmten Kinder und Babies zu einem Jahr wurden alle ohne Gnade durch Auspuffgase in speziell dafür gebauten Autos im Nazivernichtun­gslager in der polnischen Stadt Chełmno am Nerr vergiftet. Die Frauen wurden ins Konzentrationslager in Ravensbrück deportiert.

Ausser der augenblicklichen und langsamen Liquidierung in den Konzentration­slagern nahmen die Nazis auch an der Zerstörung der Gemeinde teil. Die Häuser wurden zuerst niedergebrannt und dann durch Sprengstoff vernichtet. Die Liquidationstruppe machte weder vor der Zerstörung der St. Martin-Kirche noch vor der Zerstörung des Friedhofs halt. Alle Geländeplanierungen wurden im Jahre 1943 beendet und nach der lebendigen Gemeinde blieb nur ein kahles schweigendes Gelände. Bis Kriegsende wurde das Gebiet Lidice nur mit Ortsschildern bezeichnet.

Die Nachricht von der Zerstörung Lidice umlief schnell die ganze Welt. Die Absicht, die tschechischen Gemeinde von der Weltoberfläche wegzufegen, gelang jedoch nicht. Zu Ehren von Lidice wurden eine Reihe von den Gemeinden in der ganzen Welt nach ihrem Namen umbenannt. Der Name Lidice tragen seither auch viele damals geborenen Mädchen. Lidice hörte nicht auf, im Bewusstsein der Menschen in der ganzen Welt weiterzuleben. Auf der Friedensmanifes­tation in Lidice am 10. Juni 1945 verkündete die tschechische Regierung durch eine Bekanntmachung den Wiederaufbau von Lidice – und damit das neue Leben des Ortes. Daran nahmen auch die durch das Schicksal schwer geprüften Frauen aus Lidice teil. Insgesamt 340 Einwohner von Lidice fielen der Nazi-Mordaktion zum Opfer. Nach dem Kriegsende kehrten 143 Frauen aus Lidice in ihr Heimatland zurück und nach einer zweijährigen Suche kehrten 17 Kinder in die Arme ihrer Mütter zurück.

Museum

Das Museum befindet sich in der Nachbarschaft des Ostflügels der Kolonnade, ca 100 m von der Hauptstraße Prag – Kladno. In seiner unmittelbaren Nähe erstrecken sich das Pietätgebiet und der Rosengarten. (Lidicer Galerie befindet sich im Zentrum des neuen Lidice, entfernt ca 500 m vom Museum.) Das Museum wurde im Jahre 1962 nach dem Projekt des Arch. František Marek erbaut.

Im Jahre 2005 begannen eine umfangreiche Rekonstruktion und die Erweiterung des ganzen Objektes. Um ein Jahr später wurde anlässlich der Pietätveranstaltung zum 64. Jahrestag der Vernichtung von Lidice durch die deutschen Nazis das rekonstruierte Museum mit einer neuen multimedien-audiovisuellen Exposition, die den Namen "Und die unschuldigen waren schuldig… " eröffnet. Die Exposition macht die Besucher mit dem Leben und den Schicksalen der Einwohner der Gemeinde, deren Vernichtung und Wiederherstellung auf dem Hintergrund der wichtigsten Zeitereignisse vertraut.

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